Der Trainer der I. Männermannschaft stellt sich den Fragen
Havelberg (tl). Mit Beginn der neuen Spielzeit wollen wir auch wieder eine beliebte Kategorie aufleben lassen – das \“Interview des Monats\“. Auf der alten Internetseite wurde dies zum Ende hin eher vernachlässigt, erfreute sich aber gerade zu Beginn großer Beliebtheit. Nun ist es wieder an der Zeit diesen Oldtimer aus dem Schuppen zu holen. Den Anfang macht kein geringerer als der aktuelle Trainer der Männer Gerd Marx. Aufgrund der Chronik des FSV wurde er zu seinem Werdegang und seinen Erfahrungen im Trainerbereich befragt.
Wann und wo hast Du angefangen mit dem Fußballspielen?
Im Herbst 1965 mit 8 Jahren. Mein erstes Training hatte ich in der alten Sporthalle, wo heute die Poliklinik steht. Bin damals einfach meinen Kumpels gefolgt, die plötzlich das Fußballspielen „entdeckt“ hatten. Mein erster Trainer war Wanja Gaing.
Welche Personen prägten deine Fußballerzeit am deutlichsten?
Im Grunde alle Trainer bei denen ich mindestens ein Jahr trainiert habe. Erhard Muxfeld als Schülertrainer (heute C Jugend) legte viel Wert auf technisch sauberes Spiel. Wolfgang Hintze machte mich zum disziplinierten Abwehrspieler ala „Wadenbeisser“ Berti Voigts. Klaus Dieter Schmidt (Schmitti) war ein Vorbild in Sachen Teamgeist. Spaß am Fußball spielen, Disziplin und Teamgeist sind für mich heute noch Eckfeiler eines guten Fußballers.
Wer war der beste Spieler mit dem Du je zusammengespielt hast? Und wieso?
Naja, so richtige Überflieger hatten wir in Havelberg wohl nicht und wenn es einer hätte werden können, war er ziemlich schnell schon weg aus Havelberg. Vor wem ich einen Riesenrespekt hatte, war Klaus Dieter Stresow als mein damaliger Abwehrchef. Ein absoluter Leader und guter Fußballer, zumal er ja zuvor auch als Goalgetter für Furore sorgte.
Gab es damals Ereignisse, welche sich besonders eingeprägt haben? Nicht nur in sportlicher Sicht?
Da fällt mir nicht wirklich etwas ein – vielleicht die ersten Trainingsanzüge, die es Anfang der achtziger Jahre bei Einheit gab. Kann mich noch entsinnen, wie stolz wir da alle waren mit unseren blauen „Baumwollsweaters“ mit hinten Einheit Havelberg drauf. Und vielleicht die Sache mit der angebahnten Fusion mit Vorwärts Havelberg – Einheit blieb Einheit.
Viel Zeit ist seit dem vergangen. Gibt es etwas was Du im Rückblick kritischer oder gar positiver siehst als damals?
Ich denke, ich habe die Dinge immer sehr realistisch eingeschätzt. Es gibt keinen Grund, heute etwas negativer oder positiver zu sehen.
Wie hat sich das heutige Vereinsleben im Vergleich zu deiner aktiven Zeit verändert?
Also ich glaube, früher hat sich jeder gefreut, zweimal in der Woche zum Training zu gehen und am Wochenende zum Spiel, um die Kumpels wieder zu treffen. Man hatte ja ansonsten unter der Woche eher weniger Kontakt, obwohl alles in Havelberg oder Umgebung zu Gange war. Heute gibt es Handys und Internet, da ist die Kommunikation viel intensiver – da braucht es eigentlich keinen Fußball mehr. Auf der anderen Seite kann und wird heute in punkto Vereinsleben viel mehr gemacht, als früher. Das hängt sicher mit den völlig anderen materiellen Voraussetzungen, die es heute gibt, zusammen. Heute wird, glaub ich, auch etwas häufiger gefeiert.
Neben deiner Fußballerlaufbahn bist Du nun auch langjährig im Trainergeschäft tätig. Wie bist Du dazu gekommen?
Während meines Studiums habe ich die Möglichkeit bekommen, die Übungsleiterstufe 3 und 2 in Osterburg an der Sportschule zu machen. Das hat mich einfach interessiert und hat Spaß gemacht. Mit der Überzeugung, dass es mit Fußballspielen im Verein allein nicht getan sein kann, sondern dass man für den Verein auch mehr tun muss, habe ich dann dies genutzt, um Nachwuchsmannschaften zu trainieren. Dann war ich Spielertrainer der Zweiten und zwischendurch 1991 auch Trainer der Ersten. Letzteres mit eher mäßigem Erfolg. Eigentlich wollte ich nie nur Trainer sein, aber man soll bekanntlich nie „nie“ sagen. Spätestens ab 2003 bin ich „nur“ noch Trainer und es macht auch Spaß.
Seit dieser Saison bist du in Havelberg erneut Trainer geworden und das erste Trainer-Jahr in Havelberg ist auch wieder rum. Welches Fazit ziehst du für die abgelaufende Saison?
Das Umfeld, der Vorstand und auch die Mannschaft zeigten sich am Ende der Spielzeit zufrieden. Immerhin sahen unsere Zuschauer zu Hause unsere Mannschaft elfmal, teilweise sogar als sehr deutlichen, Sieger vom Platz gehen und auch im Pokal gab es richtig guten Fussball zu sehen. Der FSV hat noch nie soviel Tore geschossen (1121) und auch noch nie so wenig rein bekommen (128). Im Hinblick auf unsere Torwartmisere ist gerade letzteres aller Ehren wert. Eine technisch und taktisch sehr gute Mannschaft hat in der Endabrechnung einen souveränen dritten Tabellenplatz erreicht, aber eben nicht einen der beiden möglichen Aufstiegsplätze und das macht zumindest mich unzufrieden zumal die Gründe dafür alle samt hausgemacht sind (Überheblichkeiten, Egoismen, fehlender Wille). Die Saison hat gezeigt, wozu der FSV Havelberg im Stande ist. Die Zeit des Welpenschutzes (jüngste Mannschaft etc) ist spätestens nach dieser Spielzeit vorbei.
Die Vorbereitung auf die neue Saison steht in den Startlöchern. Was sind die Ziele, die du mit der Mannschaft in dieser Saison erreichen möchtest?
Wenn wir am 6.Juli mit der Vorbereitung beginnen, steht nur ein Ziel im Fokus – der Aufstieg in die Landesklasse. Nach sieben Wochen Vorbereitung wird die Mannschaft top fit und auch wieder breiter aufgestellt sein. Der FSV muß in die Landesklasse, denn ein weiteres Herumdümpeln in der KOL würde die Mannschaft zwangsläufig nach und nach schlechter machen. Die Mannschaft ist technisch und taktisch sehr gur ausgebildet. Was ihr gelegentlich noch fehlt ist absolute Fitness und hirarchische Strukturen, die letztlich zu mehr Disziplin auf und neben dem Platz führen werden.
Haben sich für die neue Saison bereits neue Spieler angekündigt bzw. schon angemeldet/abgemeldet?
Auf jeden Fall werden mit Kevin Brecht und Chris Ebel in der kommenden Saison wieder zwei wichtige Spieler das Team verstärken. Ich denke, dass auch Domenico Schluricke endlich zu alter Form zurückfinden wird und das ist doch schon was. Über eventuelle weitere Neuzugänge ist noch nichts spruchreif. Abgemeldet hat sich bisher keiner aus der Mannschaft.
Welches sind deiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften um im Fußball richtig gut zu werden?
Die Grundlage für alles ist für mich die Physis, denn ohne die wirst du auch mit Talent kein wirklich guter Fußballer. Mit entsprechendem Trainingsfleiß kommst du immer weiter. Daneben sind natürlich auch Disziplin und Teamfähigkeit von großer Bedeutung. Alles andere findet sich.
Haben sich im Laufe der Zeit die nötigen Eigenschaften verändert?
Das Spiel ist heute schneller und athletischer geworden, also kommt der Physis eine noch eher größere Bedeutung zu. Ansonsten geht es heute auch ein wenig mehr um Spielfreude und Spielwitz. Darüber hinaus spielen heute taktisches Verständnis und Können auch noch eine größere Rolle.
Wer ist/war der beste Havelberger Spieler den Du trainiert hast?
Na ich denke Torsten Thiedke, der bei mir in der A Jugend 1988 erst richtig mit dem Fußballspielen angefangen hat und ein richtig Guter wurde. Nicht umsonst haben wir ihn ja nach der Wende aus Geesthacht zurück geholt.
100 Jahre Fußball in Havelberg sind vorbei. Was wünschst Du dem FSV Havelberg für die Zukunft?
Den Aufstieg in die Landesklasse und dass sich die intensive Nachwuchsarbeit noch besser auszahlt um dann nie wieder abzusteigen.
Vielen Dank an Gerd!
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