Mitgliederoffensive startet durch

 

Anlässlich des Zeitungsartikels der „Altmark Zeitung“ zur Mitgliederoffensive „Sag JA zu blau weiß – werde Mitglied“, führte der Reporter Tobias Haack ein Interview mit André Gerdel, dem stellv. Vorsitzenden des FSV Havelberg. Dieses Interview, in ungekürzter Version, ist unser „Interview des Monats“.

 

 

Wie ist die Idee zu dieser Mitgliederoffensive beim FSV entstanden und was ist die Intention dahinter?

Das Thema der Mitgliedergewinnung ist ja nicht neu und betrifft eigentlich jeden Verein. Mit jedem Gespräch, jeder Berichterstattung oder sportlichen Leistung stellt sich der Verein dar und gibt somit ein Angebot zur Mitgliedschaft ab. Jedes Nicht-Mitglied hat so die Möglichkeit zu überlegen, ob es ein Teil dieser Gemeinschaft sein möchte. Beim FSV passiert das alles seit vielen Jahrzehnten reibungslos, sodass wir bis jetzt auch von einem Mitgliederschwund verschont geblieben sind. Die Frage „weshalb das Ganze“ ist somit schon berechtigt. Wir sind aber der Meinung, dass man handeln sollte, bevor das „Kind in den Brunnen gefallen ist“. Demografische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge unserer Region werden sich in naher Zukunft noch stärker auf die Vereine auswirken. Infolgedessen ist es zwingend notwendig, sich mit dieser Problematik zeitnah auseinanderzusetzen, um so den FSV für künftige Aufgaben zu rüsten. Es ist ja allseits bekannt, dass nur eine gesunde Mitgliederstruktur den Bestand und die Leistungsfähigkeit eines Vereins sichern kann.

 

Wie soll die Mitgliederoffensive konkret durchgeführt werden? Welche Maßnahmen und Schritte sind geplant bzw. werden schon durchgeführt?

Das Grundgerüst der Mitgliederoffensive steht. Der Leitartikel ist verfasst an dem sich dann die Offensive ausrichten wird. Im Zuge der Mitgliederoffensive wurde die Aktion „Mitglieder werben Mitglieder“ ins Leben gerufen, sodass sich die Mitgliederwerbung auch für gegenwärtige Vereinsmitglieder lohnt. Viele Werbemotive wurden zielgruppenspezifisch erstellt und hängen bereits an vielen „schwarzen Brettern“ unserer Partner. Die hierfür eingerichtete Projektgruppe wird diese Offensive inhaltlich begleiten und versuchen Impulse zu geben.

 

Habt ihr euch eine konkrete Zielvorgabe gesetzt, wie viel neue Mitglieder ihr für welchen Bereich gewinnen wollt oder lasst ihr euch einfach überraschen?

Konkrete Zielvorgaben gibt es direkt nicht. Wichtiger ist es Mechanismen zu entwickeln und diese in die Vereinsstruktur zu implementieren, damit die Maßnahmen zukünftig automatisiert und somit fortwährend wirken können. Nur so ist eine nachhaltige Mitgliedergewinnung möglich. Wenn Sie eine Zahl von mir hören wollen, der FSV hat zurzeit 251 Mitglieder, 300 -in absehbarer Zeit- wäre schön.

 

Wie hoch ist die aktuelle Mitgliederzahl beim FSV Havelberg?

Stand 31.12.2012 =251 (208 männliche /43 weibliche Mitglieder). 11 Mannschaften hat der Verein. Wir haben noch weitere Unterscheidungen getroffen, die aber für diesen Bericht sicherlich zu kleinteilig wären.

 

Die Aktion läuft seit Oktober. Gibt es schon erste Erfolge zu vermelden?

Wir haben im Aktionszeitraum 17 Neu-Mitglieder gewinnen können, was sich vielleicht wenig anhört aber für uns einen großen Erfolg darstellt. Die Mitgliederoffensive steht ja erst am Anfang. Für mich persönlich viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass es innerhalb des Vereins Menschen gibt, die sich mit dieser Thematik befassen und sich somit ehrenamtlich engagieren wollen. Das ist viel Wert.

 

Am vergangenen Wochenende hat sich zum ersten Mal die Projektgruppe zum Thema getroffen. Was war das wichtigste Ergebnis der ersten Sitzung? In welchen Abständen trefft ihr euch in Zukunft?

Als erstes wurden administrative Dinge, die die Arbeit der Projektgruppe betreffen, besprochen. So zum Beispiel die Form des Berichtswesens, die Art und Weise des methodischen Vorgehens oder die Festlegung der Projektgruppenrolle innerhalb der Offensive. Inhaltlich wurde aber auch gearbeitet. Im ersten Treffen hat die Projektgruppe den Ist-Zustand der Mitgliederstruktur des Vereins analysiert und potentielle Zielgruppen kategorisiert. Erste passende Maßnahmen wurden entwickelt und eine mögliche Durchführung beschrieben. Besonders wichtig sind uns dabei die Machbarkeit der einzelnen Aktion sowie die Rolle der Maßnahme im Gesamtgefüge der Offensive. Zentrale Fragen wie „Was kann der Verein bieten“ bzw. „Wieso soll man gerade bei uns Mitglied werden“ wurden andiskutiert. Hierauf müssen Antworten gefunden werden, denn nur so ist es auch möglich zielgerichtet agieren zu können. Darüber hinaus haben sich interessante Ansatzpunkte ergeben, die es nun zu konkretisieren gilt. Das ganze Projekt ist langzeitlich angelegt. Natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass wir ja alle ehrenamtlich aktiv sind und größtenteils nicht mehr in Havelberg wohnen. Deshalb wurde auch beschlossen, dass es eine elektronische Plattform geben wird auf der sich die Projektmitglieder austauschen und weitere Ausarbeitungen zur Diskussion stellen können. Die Projektgruppe wird sich turnusmäßig alle 2 Monate vor Ort treffen, um über die entstandenen Ausarbeitungen zu diskutieren.

 

Wie wird der Verein aktuell im Ort wahrgenommen? Eher eine kleine Randgruppe oder beliebt in der breiten Bevölkerung? Könnte es besser sein?

Fußball in der Domstadt hat Tradition und erfreut sich größter Beliebtheit. Seit über 100 Jahren ist dies nun der Fall und soll zukünftig weiterhin erfolgen. Fußball in Havelberg ist lebendig, verbindet und erhitzt auch zuweilen so manches Gemüt. Für viele Havelberger ist der Fußball eben, so wie in weiten Teilen unseres Landes auch, die schönste Nebensache der Welt. Es vergeht quasi auch kaum ein Tag indem nicht in der örtlichen Zeitung über Spielgeschehnisse bzw. Vereinsereignisse berichtet wird. Dies ist nicht verwunderlich, denn mit 11 Mannschaften hat der FSV Havelberg genug Berichtspotential zu bieten.

 

Ich hab den Eindruck, dass sich bei euch ungewöhnlich viele junge Leute auch außerhalb des Platzes engagieren. War das schon immer so oder ist das eine neue Qualität in eurem Verein?

Schon immer haben sich jüngere Mitglieder für gewisse ehrenamtliche Tätigkeiten interessiert, irgendwie müssen ja auch die jetzt älteren Ehrenamtlichen zu ihrer Aufgabe gekommen sein. Was sich aber heute zu früher geändert hat, ist die Vielfalt an Tätigkeitsfeldern eines ehrenamtlichen Vereinsengagements. Wenn ich alleine die Aufgabenfelder im Sektor der „neuen Medien“ (Homepage, Facebook etc.) oder im Merchandising (Grafikdesign, Shop für Fanartikel etc.) betrachte wird deutlich, was hier alles dazugekommen ist. Dies wird naturgemäß von den Jüngeren wahrgenommen und forciert. Insgesamt macht es aber die Mischung, denn ohne die Erfahrung der älteren Generation wäre ein effektives Arbeiten gar nicht möglich. So zum Beispiel bei der Erstellung unserer Chronik zum hundertjährigen Jubiläum, die aktuell in den Druck gehen soll. Ohne das Wissen derer, wäre dieses Projekt nicht umzusetzen gewesen. Ehrenamt ist aus meiner Sicht keine Altersfrage. Wichtig ist allein, der Wille was für die Gemeinschaft tun zu wollen. Ich sage immer, Vereinsleben ist wie ein Puzzle, jeder hat die Möglichkeit als Teil des Ganzen mitzuwirken. Und ich hoffe, dass es noch weitere Mitglieder oder zukünftige Mitglieder geben wird, die das ähnlich sehen und von sich aus tätig werden.

 

Vielen Dank für das Interview!

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