Interview des Monats November

Interview des Monats November/ Fragen an Thoralf Gennermann

 

\"\"Im aktuellen Interview des Monats November, stellte sich der 21 jährige Thoralf Gennermann die Fragen der FSV Redaktion. Thoralf spielt seit zwei Jahren in der ersten Männermannschaft des Vereins und trägt dabei die Rückennummer 18.

 

 

Hallo Herr Gennermann, Ihre fußballerische Laufbahn begann beim FSV Havelberg und ging über den 1. FC Magdeburg nach Carl Zeiss Jena. Erzählen Sie doch einmal, wie es dazu gekommen ist. Was sind ihre schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

 

In Stendal habe ich am Kreisauswahltraining teilgenommen und Turniere mit dieser Auswahl gespielt. Daraufhin wurde ich zur Sichtung für die Landesauswahl Sachsen-Anhalts (damals D2-Junioren) eingeladen und über diese Schiene wurde dann auch der Club auf mich aufmerksam und bot mir an mein Abitur am Sportgymnasium zu machen und nebenbei leistungsorientiert Fußball zu spielen. 2004 wechselte ich dann zum 1. FCM und besuchte dann dort das Sportgymnasium. Nach Abschluss meines Abiturs, 6 Jahre später (2010), wechselte ich dann nach Jena, wo ich mein letztes Jahr A-Jugend spielte und den Übergang zum Herrenbereich erlebte. Nebenbei absolvierte ich am Uni-Klinikum meinen Zivildienst. In Jena lernte ich noch einmal eine etwas andere Art des Fußballs kennen, da dort der spielerische Aspekt im Vordergrund steht. Das soll keinesfalls heißen, dass dies in Magdeburg nicht der Fall ist, aber der Magdeburger Fußball ist vor allem durch Emotionen geprägt und das sorgte dafür, dass die Erfolge und Erinnerungen viel mehr im Gedächtnis bleiben. Besonders prägend waren da der Gewinn des Landespokals als jüngerer C-Jugend-Jahrgang gegen den eigenen älteren C-Jugend-Jahrgang (2006) und den älteren Jahrgang aus Merseburg-Nord (HFC) und selbstverständlich der Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga (2010). Ein großen Anteil am Identifizieren mit dieser emotionalen Art des Fußballspielens trugen dabei meine C-Jugend-Trainer Bernd Plater und Christoph Opp, sowie die darauffolgenden Trainer in der B-Jugend Erik Burow und Sören Osterland. Es ist eigentlich nicht zu beschreiben, wie wir damals als Mannschaft zusammenstanden und uns alles zusammen erarbeitet haben. Dazu kam der enge Kontakt zur Fanszene des FCM, der mir in dieser Form bei keinem anderen Verein vorstellbar wäre. Es waren also nicht nur sportliche Ereignisse die hängen geblieben sind, sondern vor allem auch geknüpfte Freundschaften, die glücklicherweise bis heute Bestand haben. Ich bin sehr dankbar dafür, den Junioren-Bereich im Fußball so erlebt haben zu dürfen und könnte noch 10 Seiten darüber schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen, deswegen bleibt es bei diesem kleinen Exkurs.

 

Ihre Fähigkeiten blieben natürlich auch höher klassigen Vereinen nicht verborgen. Reizvolle Angebote gab es mit Sicherheit, die Sie aber alle dankend ablehnten. Was hat den Ausschlag gegeben wieder in Havelberg Fußball zu spielen?

 

Ja, die gab es, aber ich habe ja nicht grundlos mit dem Leistungssport aufgehört. Ich habe im Oktober 2012 ein duales Studium angefangen, bei dem der schulische Teil in Bad Wilsnack und das Studium in Senftenberg stattfindet. Dieser berufliche Aspekt hat Priorität und ist sehr zeitaufwendig. Es wäre sicher möglich dann noch unter der Woche irgendwo anders hin zum Training zu fahren, aber für mich gab es nie einen Grund unter diesen Umständen nicht in Havelberg zu spielen. Hier spiele ich mit meinem Freundeskreis zusammen und es ist der Verein in dem ich mit dem Fußballspielen begonnen habe. Außerdem wollte ich dazu beitragen, dass der FSV endlich aus der kreislichen Ebene herauskommt, in der er leider viel zu lange feststeckte.

 

Bei Trainer Marx gelten Sie als Schlüsselspieler. Was sind ihre Stärken?

 

Ich denke, dank meiner Ausbildung, die ich in Magdeburg und Jena genossen habe, kann ich in dieser Spielklasse viel dazu beitragen, das Spiel aufzubauen und zu organisieren. Ich möchte auch als jüngerer Spieler Verantwortung übernehmen, um es vor allem den noch jüngeren Spielern (David Stamer, Toni Liebsch, Benjamin Döring) einfach zu machen. Die haben meiner Meinung nach ein großes Potential und sollen lernen es ohne großen Druck abzurufen.

 

Nach dem Aufstieg in die Landesklasse verlief der Start ein wenig holprig. Was ist der Unterschied zu letzten Saison und haben Sie das so erwartet?

 

Das alles ist wohl leider mit der Einstellung zur gesamten Sache, nach Beendigung der letzten Saison,   zu erklären. Das war so nicht zu erwarten, denn unverständlicherweise fehlt die Zielstrebigkeit, vielleicht ist auch der Hunger auf mehr ein wenig verflogen. Ich bin mir aber aufgrund der jüngsten Vergangenheit absolut sicher, dass sich die nächsten Ergebnisse wieder positiver gestalten werden. Bis auf das Spiel gegen Warnau und das von Umständen-geprägte Spiel gegen SAW waren wir meiner Meinung nach nie schlechter als der Gegner, nur halt nicht clever genug, Zählbares mitzunehmen.

 

Wo sehen Sie noch Entwicklungsbedarf in der Mannschaft und was sind ihre persönlichen Ziele mit dem FSV Havelberg?

 

Der wichtigste Punkt wird sein, dass wir lernen cleverer zu spielen und uns auf uns zu konzentrieren. Wir beschäftigen uns auf dem Feld mit zu vielen nebensächlichen Dingen, wie z.B. Schiedsrichter-Entscheidungen. Außerdem müssen wir effektiver werden und uns öfter für unser Spiel belohnen. Wir vergeben zu viele Chancen und werden dadurch ungeduldig.

Mannschaftsziel für die Zukunft muss es sein wieder so unbeschwert aufzuspielen wie im letzten Jahr, um dann längerfristig über einen Aufstieg in die LL nachdenken zu können. Persönlich hoffe ich in diesem Jahr auf mindestens 6 Saisontore, da ich da noch eine Wette am laufen habe 😉 und auf lange Sicht natürlich, dass ich verletzungsfrei bleibe.

 

Die Qualität der Liga ist in diesem Jahr extrem hoch. Was meinen Sie, welche Rolle kann der FSV in dieser Saison noch spielen?

 

Wie schon erwähnt, sah ich uns in kaum einem Spiel schlechter, zumal wir auch versuchen Fußball zu spielen und nicht nur über lange Bälle ans Ziel zu kommen. Ich denke das ist in dieser Liga leider noch bei zu vielen Mannschaften der Fall. Wir haben ja schon gezeigt, dass wir einige diesjährige Favoriten ärgern können. Leider sind wir zu inkonstant, sodass die Lücke nach oben schon zu groß ist. Wir werden also den Rest der Saison eine untergeordnete Rolle spielen, aber so können wir uns darauf konzentrieren uns wiederzufinden und noch dem einen oder anderen Favoriten ein Bein stellen.

 

In den letzten Jahren ist der Trend zu beobachten, dass auch in den niedrigsten Amateurligen Handgelder gezahlt werden. Dies hat zur Folge, dass es innerhalb der Wechselfristen oftmals zu einem ungewohnten „Bäumchen Wechsel dich-Spiel“ kommt. Es macht den Anschein, dass althergebrachte Werte wie Tradition, Stolz und Zusammenhalt in der heutigen Generation nicht mehr den Stellenwert haben wie früher. Wie stehen Sie zu diesen Werten?

 

Ich persönlich kann es verstehen, wenn Fahrtgeldentschädigungen oder geringe leistungsorientierte Prämien (wie z.B. kleine Punktprämien als Ansporn) gezahlt werden, jedoch kann es nicht Sinn der Sache sein, in dieser Liga hohe einmalige Zahlungen oder monatliche ,,Gehälter’’ zu zahlen. Mir sind die oben genannten Werte deutlich wichtiger, einfach deshalb weil ich in Magdeburg den emotionalen Wert kennengelernt habe. Schließlich sind die Spieler, auch in den unteren Ligen, keine Maschinen die nur arbeiten, wenn in sie investiert wird, zumindest sollte das so sein. Wer in einem Verein spielt mit dem er sich nicht identifizieren kann, wird nie die volle Leistung bringen können.

 

Neben ihrem Engagement in der Männermannschaft, stehen Sie zurzeit auch als einer von 3 Trainern bei der B-Jugend an der Linie. Wie kam es dazu und welche Erfahrungen haben Sie dabei bis jetzt gemacht?

 

Ich habe es in der letzten Saison meines jüngeren Bruders mitbekommen, wie es ist, wenn ständig Spiele ausfallen, weil nicht genügend Spieler da waren oder der Trainings- und Spielbetrieb nicht gesichert waren. Zudem lebt der FSV aufgrund fehlender finanzieller Mittel von seinem Nachwuchs und da dachten wir uns: Warum sollen wir nicht unseren Teil dazu beitragen, den FSV auch auf diese Art und Weise zu unterstützen?

Es macht Spaß die Jungs zu fördern und zu sehen wie sie Stück für Stück Erfolge in der Entwicklung erzielen. Die bisherigen Eindrücke lassen darauf hoffen, dass es einige Spieler mal schaffen könnten die erste Männermannschaft zu verstärken.

 

Ein Verein wie der FSV Havelberg lebt vom Engagement seiner Mitglieder. Was würden Sie gerne im Verein umgesetzt haben und wie könnte man dies erreichen?

 

Es sollte dafür gesorgt werden, dass der FSV ein Verein bleibt, der aus Spielern aus dem nahen Umfeld besteht. Die Identifikation mit dem Verein muss der zentrale Punkt jedes Mitglieds & Spielers sein. Also wird es die größte Aufgabe sein, den Mitgliedern zu verdeutlichen, dass es auch in Zukunft nicht ohne sie geht. Solche Wertschätzung könnte durch Einladungen zu Vereinsfeiern oder anderen Veranstaltungen erfolgen. Ich kann jedoch nicht bewerten, ob die finanziellen Mittel gegeben sind, solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Sollte dies der Fall sein, so sollte es meiner Meinung nach für solche Aktionen investiert werden.

 

Gemeinschaftliche Aktionen bedeuten aber auch ein gemeinschaftliches Einbringen der Mitglieder in den Verein. Planung und Durchführung sollten nicht auf einzelne Schultern verteilt sein.  In der Vergangenheit haben Freundschaftspiele bzw. Pokalveranstaltungen der 1. Männermannschaft zu einem regen Zuschaueraufkommen geführt. Was halten Sie von einer jährlichen Veranstaltung, die auch aus der Mitte der ersten Männermannschaft organisiert wird?

 

Jeder Spieler spielt umso lieber Fußball, je mehr Zuschauer da sind und wenn dies Maßnahmen sind, die unsere Zuschauer weiterhin zu uns locken, dann würde sicher jeder einzelne Aktive seinen Teil dazu beitragen sie auf die Beine zu stellen. Es wäre nur nötig, dass von Seiten der Mitglieder und Zuschauer Interesse verdeutlicht wird, an solchen Gemeinschaftsaktionen teilnehmen zu wollen und eventuell auch Vorschläge einzubringen in welche Richtung solche Veranstaltungen gehen sollen. Immerhin hat dort jeder individuelle Vorstellungen und beim Austausch dieser könnte man für die Gestaltung sicher auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

 

Der FSV Havelberg in 5 Jahren…Wo sehen Sie den Verein stehen?

 

Der FSV spielt in der LL Nord, hat mit dem Abstieg nichts zu tun und bietet vor allem bei Heimspielen Vorstellungen, die den Zuschauern Spaß bringen.

 

 

Vielen Dank!

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