Ein Zuschauerbericht von A. Gerdel über das Halbfinale des Altmarkpokals FSV Havelberg- Medizin Uchtspringe 3:5 (0:1)
Nach langer Zeit hatte ich wieder einmal die Möglichkeit den Auftritt einer Havelberger Mannschaft im Sportforum „Am Eichenwald“ anzuschauen. Und was für eins: Halbfinale Altmarkpokal, der FSV Havelberg empfängt den starken und unbequemen Ligakonkurrenten aus Uchtspringe. Voller Vorfreude auf das Spiel begab ich mich mit meiner Familie und einigen Sponsoren Richtung Sportgelände. Die Parkplätze waren gut gefüllt, denn neben mir fanden auch noch 217 andere fußballbegeisterte Zuschauer den Weg ins Sportforum. Bei bestem Fritz-Walther-Wetter, es regnete das ganz Spiel, platzierten wir uns am Rande der treuen Anhängerschaft der Domstädter. Mein erster Blick wanderte wie gewöhnlich über die Ersatzbank, die zu meiner Begeisterung reichlich und qualitativ gut bestückt war. Angesteckt von der vorherrschenden Euphorie fieberte ich ungeduldig dem Anpfiff der Schiedsrichterin Schwander entgegen, schließlich hatte man die Möglichkeit auf das Pokalfinale in Bismark und die Aussicht auf die Qualifikation für den Landespokal im nächsten Jahr.
Der Respekt beider Trainer gegenüber dem Gegner war, wenn man den Zitaten aus der örtlichen Presse Glauben schenken durfte, vorhanden. Havelberg gilt seit dem damaligen Umbruch als talentierte, technisch gute Mannschaft, die nun seit mehreren Jahren zusammenspielt. Der Gegner aus Uchtspringe hingegen ist als robustes, taktisch gut ausgebildetes Team, gespickt mit vielen guten Einzelspielern in der Altmark bekannt. Das Spiel begann recht unspektakulär. Beide Teams beschnupperten sich, mit leichten Feldvorteilen für die Hausherren. Nach und nach hatte die bis dato kaum in Erscheinung getretene Schiedsrichterin immer mehr mit der harten Gangart der Gäste und mit dem Unmut der .Havelberger über die eine oder andere Schiedsrichterentscheidung zu kämpfen. Dieser Unmut verstärkte sich nach dem Führungstreffer der Mediziner. Einige Spieler verstrickten sich immer mehr in Wortgefechten mit der Schiedsrichterin, lamentierten und kommentierten jede Entscheidung.
Bei den Zuschauern machte sich immer mehr Unverständnis breit. Neben mir standen einige ältere Zuschauer, die sich gegenseitig fragten, ob die Mannschaft überhaupt ins Finale wolle oder nur die Schuld bei den sicherlich oftmals strittigen Schiedsrichterentscheidungen suche. Gelbe Karten sammelte man nun wegen Meckereien. Ein Spieler zeigte sogar an, dass er aufgrund seiner Unzufriedenheit mit den Schiedsrichterentscheidungen, die er lautstark äußerte, gerne ausgewechselt werden wollte. Dies löste auch bei mir Unverständnis aus, da erstens Frau Schwander und ihre Art zu pfeifen bekannt waren und zweitens man sich wieder einmal aufgrund von Undiszipliniertheiten die sogenannte „Butter vom Brot nehmen ließ“. Uchtspringe machte es besser und nutze die unproduktive Phase der Havelberger, um Oberwasser zu gewinnen. Mit ein wenig mehr Glück hätte man den einen oder anderen Treffer nachlegen können.
Dann war endlich Halbzeit.
Durchgefroren und ein wenig desillusioniert nutzte auch ich, wie viele der Zuschauer, die Chance mich für die zweite Halbzeit zu stärken. Beim Anstehen diskutierte man über die Schiedsrichterin, die aus Havelberger Sicht sicherlich in einigen Situationen unglücklich wirkte aber auch darüber, dass der Rückstand nichts mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns zu tun hätte. Als alter Optimist verwies ich auf die zweite Halbzeit in der bekanntlich alles besser werden könne. Doch irgendwie war der Wurm drin. Anscheinend noch mit den Köpfen in der Halbzeitpause gab es die nächste kalte Dusche für die Domstädter und ihre Anhängerschaft. Unkonzentriertheiten und individuelle Fehler bei den Havelbergern sowie ein diskussionswürdiger Elfmeter ließen das Ergebnis auf 4:0 in die Höhe schnellen. Einige Zuschauer verließen daraufhin enttäuscht das Sportforum und verpassten somit die spannendste Phase des Spiels. 2 schnelle Tore der Havelstädter und 2 Großchancen zeigten das Potential der Mannschaft und die Schwächen des Gegners auf. Der aufkommende Funke an Hoffnung das Spiel noch drehen zu können loderte 2 min lang, bis wieder einmal eine vermeidbarere Unachtsamkeit die Entscheidung zu Gunsten der Gäste brachte. Kurz vor dem Ende gab es noch ein wenig Ergebniskosmetik der Hausherren, dann war Schluss.
Es folgten noch ein paar interessante Gespräche mit einigen Zuschauern und natürlich war es wie immer, jeder wusste es am Ende besser warum man als Verlierer vom Platz gegangen ist. Von fehlender taktischer Marschroute bis hin zur Einzelspielerkritik war alles dabei. Dies ist aber OK, denn jeder hat ein Recht auf seine Meinung.
Ich überlegte mir was ich von dieser Vorstellung, in der es Licht und Schatten gab, halten sollte. Eigentlich war es wie so oft, das große Potential war zu erkennen, dennoch schlug man sich fast selber, indem man über weite Strecken des Spiels vorrangig mit sich selbst zu tun hatte. Was mich persönlich am meisten enttäuschte war, dass die, von Einzelnen geförderte, aufkommende Unruhe der ersten Halbzeit nicht durch eine mannschaftliche Geschlossenheit im Keim erstickt wurde. Gegen Uchtspringe kann man im Grunde verlieren, die Art und Weise war wohl das an was ich mich gestört hatte.
Anspruch und Wirklichkeit klaffen in Havelberg oftmals auseinander, so auch nach dem Halbfinale des Altmarkpokals. An diesem Tag hätte man nicht als Verlierer vom Platz gehen müssen, wenn man sich ein wenig früher um das Fußballspielen und nicht um die Unzufriedenheit mit einigen Schiedsrichterentscheidungen gekümmert hätte. Eigentlich eine Sache, die man von einer gestandenen Mannschaft, und dazu zähle ich Havelberg mittlerweile, erwarten kann.
Die örtliche Berichterstattung spiegelte meine Eindrücke vom Spiel wieder. Die Kommentare der Trainer waren so, wie man dies nach so einem Spiel erwarteten konnte. Aus Sicht der Domstädter gab es keine Vorwürfe des Trainers. „Dumm gelaufen“ ist es ja, „gekämpft“ wurde ja auch, jedenfalls teilweise und wenn es Kritik gibt dann wird diese „intern“ angebracht. Ich bin mir sicher, dass es eine Auswertung des Spiels gab bzw. geben wird. Wie heißt es so schön: In jeder Niederlage steckt auch eine Chance es zukünftig besser zu machen. Bleibt zu hoffen, dass man daraus die richtigen Schlüsse zieht.
Dieser Bericht soll keineswegs die Arbeit des Trainers bzw. den Weg der Mannschaft in Frage stellen, es handelt sich hierbei nur um eine persönliche Sichtweise auf eine Momentaufnahme mit der ich aber sicherlich nicht ganz alleine stehen werde. Das soll es nun auch von mir gewesen sein. Es war ein Spiel auf das ich mich lange gefreut hatte und was mich anscheinend noch tagelang danach beschäftigte.
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