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2. August 2020
  • Spieler und Trainer der B-Jugend von 1982/83 denken an tolle Spiele und Episoden zurück

Wie war es einst bei der BSG Einheit mit dem Fußball? Hagen Walther und Werner Jacobs erinnern sich an ihre Zeit als Spieler beziehungsweise Trainer in der B-Jugend.

 

Havelberg (Wolfgang Masur) l In der Corona-Zeit haben nicht nur Fußballfans Endzugserscheinungen, sondern viele Sportfreunde müssen auf vieles verzichten. Den etwas älteren Fans bleibt da genügend Zeit, um sich an fast vergessene Sporterlebnisse zu erinnern. So geht es auch dem Havelberger Hagen Walther, der in der Saison 1982/83 in der damaligen Betriebssportgemeinschaft (BSG) Einheit Havelberg in der B-Jugend mit Leidenschaft Fußball spielte. Zu DDR-Zeiten diente die BSG vor allem der Nachwuchs und Talenteförderung.

 

Rückennummern in Grün – denn es gab nichts anderes

Der heute 50-Jährige Hansestädter Hagen Walther erzählt dazu Folgendes: „Es war eine sehr schöne und unvergessliche Zeit, denn wir hatten ,nur‘ das Fußballspielen im Kopf. In dieser Saison gewannen wir fast alle Spiele, nur in Kakerbeck gab es ein Unentschieden. Zum Anfang war noch Gerd Marx unser Trainer, der dann von Werner Jacobs, dessen Sohn ja bei uns mit in der Mannschaft war, abgelöst wurde. Wir spielten, ebenso wie damals Dynamo Dresden, in gelb/schwarzen Trikots. Mit grünen Rückennummern. Grün deshalb, weil es keine anderen gab. Die wurden von den Eltern selbst aufgenäht und das zum Teil per Hand – oder mit der Nähmaschine und mit Fäden in den verschiedensten Farben. Das sah schon sehr lustig aus, aber die Zuschauer waren mehr auf unsere guten Leistungen fixiert.“

Gespielt wurde im System 4/3/3 mit Libero. Die Philosophie von Gerd Marx war, dass in jeder Reihe mindestens ein Techniker, ein Läufer und ein Arbeiter, der auch Wasserträger genannt wurde, spielen sollten. „Das erste Spiel absolvierten wir mit einem Ball aus dem Westen, den uns Werner Jacobs besorgt hatte. Dieser Ball war nicht nur schön bunt, sondern auch sehr leicht und er nahm kein Wasser auf. Er war unser ganzer Stolz und passte besonders gut zu unserem ersten Mannschaftsfoto in Farbe. Das war zu DDR-Zeiten etwas Besonderes“, berichtet Hagen Walther weiter. Zu den schönen Episoden gehört zum Beispiel, dass die Fußballer in Wolmirstedt mal gefragt wurden, ob sie einen Gast vom FC Bayern München mit dabei hätten. Gemeint war Trainer Gerd Marx, der mit einem Aluminium-Diplomatenkoffer und einer tollen Jacke angenehm aufgefallen war.

„Wir hatten tolle Spieler in der Mannschaft. So war zum Beispiel unser Kapitän Andreas Jacobs nicht nur ein Mega-Antreiber, sondern auch ein Draufgänger. Er schonte weder sich noch uns. Heiko Mehnert war ein riesiger Techniker und konnte alles am Ball. Er wurde damals bei Dynamo Dresden-Heide ausgebildet. Extrem beweglich und einen super Techniker hatten wir mit Frank Gorges. Heino Sauer überzeugte mit seiner Schnelligkeit, mit und ohne Ball, und er war sehr stark im Abschuss. Als eine Legende kann man Heiko Herrmann bezeichnen, der später viele Spiele in der 1. Männermannschaft absolvierte. Bei Michael Feuerböther war es so ähnlich, denn er konnte ebenfalls alles am Ball und hätte auch zur Sportschule gehen können. Die Angebote waren da,“, denkt der Havelberger an frühere Zeiten zurück.

 

Trainer holt Spieler mit dem Moped ab

Die Mannschaft wurde Staffelsieger in der Landesklasse 1 im einstigen Bezirk Magdeburg und hatte den Kreispokal gewonnen. „Es war eine sehr schöne Zeit. Die Hälfte von unserer damaligen Mannschaft ist noch in der Region und ich selbst war noch bis 2002 aktiv. Als Nachwuchstrainer und drei Jahre in der 1. Männermannschaft im FSV Havelberg hatte ich dem Fußball die Treue gehalten“. Die Freude über diese schönen Jahre steht Hagen Walther beim Erzählen im Gesicht geschrieben.

So war das beim damaligen Trainer Werner Jacobs, der im Vorfeld schon bei jedem Spiel dabei war und gerne auf diese Zeit zurückblickt, ebenfalls. „So etwas wird es nicht mehr geben, denn es war ja auch eine ganz andere Zeit und der Sport stand an erster Stelle. Der Ehrgeiz der vierzehn Spieler, die ich gut im Griff hatte, war riesengroß. Wir hatten zum Beispiel vierzig Spiele in Folge gewonnen. In Jävenitz sogar 13:0“, so der jetzt 81-Jährige Senior. Lobende Worte findet Werner Jacobs für Alois Foller, der damals beim Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) war und die Fußballer unterstützte. Aber auch viele andere Helfer und Unterstützer werden benannt. „Ich hatte einen großen Rückenhalt bei den Eltern der Fußballer, die sich immer wieder stark für ihre Kinder machten“, erzählt der Havelberger. „Mit den Eltern kam ich wirklich gut aus. Der Spieler Heiko Herrmann fehlte einmal zu einem Spielbeginn in Havelberg und ich erfuhr von einem Kumpel von ihm, dass Heiko eine Fünf geschrieben hatte und sein Vater ihn daher nicht zum Spiel ließ. Ich setzte mich auf mein Moped und fuhr zu seinem Vater, Günter Herrmann, der ebenso wie ich Fischer war. ,Du kannst den Jungen für die schlechte Note bestrafen, aber nicht so, denn auf dem Sportplatz steht der Rest der Mannschaft und wartet auf Heiko.‘ Der saß dann auf der Rückfahrt mit auf dem Moped und das Spiel konnte beginnen“, freut sich Werner Jacobs heute noch.

 

Einmal ging ein Kronleuchter zu Bruch

Ähnlich war es mit Hagen Walther, der von seiner Mutter Spielverbot bekam. „Er konnte vom Fußball nicht genug bekommen und war im Wohnzimmer mit dem Ball in Gange. Dabei erwischte er den Kronleuchter. Nach einem Gespräch mit seiner Mutter war das Spielverbot wieder aufgehoben.“

Die Spiele fanden nur an Sonntagen statt. Deshalb musste der Trainer auch darauf hinweisen, dass nach den gewonnenen Spielen nicht zu sehr gefeiert werden sollte, um am folgenden Montag fit zu sein. „Wir sind zu einem Spiel nach Werben gefahren und ich hatte den Jungs gesagt, dass ich, wenn sie gewinnen, ein Mittagessen für alle spendiere. Das war geflunkert, denn ich hatte die Rinderrouladen für uns alle schon telefonisch in Werben bestellt. Für die Mannschaft war es aber ein Ansporn und das Spiel gewannen sie natürlich auch“, blickt Werner Jacobs zurück. Ums Waschen der Trikots und Stutzen der Spieler kümmerten sich seine Frau und die Schwiegermutter.

 

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Quelle: Volksstimme 01.08.2020